Freie Apothekerschaft e.V. gratuliert den Krankenkassen: Krank sein wird 2027 zum echten Abenteuer

Bünde, 02.04.2026 – Die Freie Apothekerschaft e.V. zieht ehrfürchtig den Hut vor den am 30.03.2026 vorgestellten Sparvorschlägen der FinanzKommission Gesundheit (FKG).

Mit bewundernswerter Kreativität schlägt die Kommission vor, die flächendeckende Arzneimittelversorgung in Deutschland durch ein spannendes, bürokratisches Experiment zu ersetzen. Besonders die Idee, die freie Apothekenwahl für Patienten über Kassen-Ausschreibungen abzuschaffen (Maßnahme Nr. 41), verdient einen Innovationspreis für gelebte Patientenferne.

Die „Schnitzeljagd“ nach dem lebensnotwendigen Arzneimittel

„Es ist eine fabelhafte Idee: Wer künftig schwer erkrankt aus der Arztpraxis wankt, darf sich auf eine sportliche Schnitzeljagd freuen“, kommentiert Daniela Hänel, die Vorsitzende der Freien Apothekerschaft e. V. die Pläne mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. „Anstatt einfach in die vertraute Apotheke um die Ecke zu gehen, dürfen Patienten künftig quer durch die Stadt – oder gleich ins Internet – wandern, weil die eigene Krankenkasse dort einen Exklusivvertrag ergattert hat. Beratungskompetenz, Menschlichkeit und schnelle Hilfe im Notfall werden völlig überbewertet, wenn man dafür ein paar Cent sparen kann!“


Die Ausrede: „Das betrifft doch nur Zytostatika!“

Der Vorstand warnt eindringlich vor der Verharmlosungstaktik der Kassenfunktionäre, die behaupten, Ausschreibungen würden ja nur spezialisierte Krebsmedikamente (Zytostatika) betreffen.
„Wer so argumentiert, ignoriert die Realität! Schauen wir uns doch die Hilfsmittel an: Durch dortige Kassen-Einzelverträge dürfen viele Apotheken heute schon keine Lanzetten, Nadeln oder Inhalatoren mehr an die Patienten abgeben. Wenn wir bei den Arzneimitteln den Damm brechen lassen und die Kassen wieder das Instrument der Ausschreibung in die Hand bekommen, folgen nach den Krebsmedikamenten ganz schnell Ausschreibungen zur Verblisterung für Pflegeheime, Pflegedienste oder die Versorgung von Diabetikern. Das ist eine gefährliche Salamitaktik und zerstört die wohnortnahe Versorgung für alle chronisch Kranken!“


Sparen will gelernt sein: Bitte nur bei den anderen!

Besonders faszinierend ist die Entschlossenheit, mit der die Kommission den Rotstift schwingt – solange sie damit die Verwaltung der Krankenkassen nicht berührt. Während die Arzneimittelpreise steigen und die moderne Pharmazie immer komplexer wird, hinkt das Apothekenhonorar der wirtschaftlichen Realität seit Jahren meilenweit hinterher. Als Krönung sollen den Apotheken nun sogar bereits zugesagte Gelder für die Beratung schwerkranker Menschen (Maßnahme Nr. 45) wieder weggenommen werden.


„Man muss diese eiserne Disziplin einfach bewundern: Bei Patienten und Leistungserbringern wird gnadenlos gekürzt, aber der gigantische Verwaltungsapparat der Krankenkassen bleibt eine unantastbare Wellness-Oase“, so die Vorsitzende weiter. „Wer braucht in Deutschland schon eine wohnortnahe Apotheke, wenn wir uns stattdessen den puren Luxus von über 90 eigenständigen Krankenkassen leisten können? Über 90 Vorstände mit fürstlichen Gehältern, über 90 riesige Verwaltungsapparate und millionenschwere Werbebudgets, mit denen sich die Kassen gegenseitig die Versicherten abjagen – das ist wahre Effizienz!“


Die glasklaren Forderungen der Freien Apothekerschaft e. V.:

1. Keine Zwangszuweisung von Patienten (Nr. 41): Kranke Menschen brauchen keine vorgeschriebenen Vertragspartner wie bei einer Ausschreibung, sondern die Apotheke ihres Vertrauens direkt vor Ort.

2. Kassen-Wasserkopf endlich auf Diät setzen: Wer das Wort ‚Strukturreform‘ unfallfrei aussprechen will, muss bei der überbordenden Krankenkassen-Bürokratie anfangen, nicht bei den schwerkranken Menschen.

3. Keine Zweckentfremdung von Beratungsgeldern (Nr. 45): Gelder für die pharmazeutische Betreuung, den pDL. Anstatt diese Gelder jetzt einfach wieder aus dem System abzuziehen und in den Kassen zu versenken, fordern wir: Lasst das Geld im System! Nutzt es, um die Patientenberatung bürokratieärmer zu machen und das pDL-Honorar der Apotheken endlich auf eine solide, wirtschaftlich tragfähige Basis zu stellen.

4. Wirtschaftliche Honorierung statt Mangelverwaltung: Wir fordern eine Vergütung, die es uns Apothekeninhabern ermöglicht, nicht nur nackte Kosten zu decken. Wir müssen als eigenständige Unternehmer wirtschaften können! Dazu gehören faire Gehälter für unsere pharmazeutischen Fachkräfte, dringend notwendige Investitionen in die Zukunft und finanzielle Mittel um Kosten, Inflation, Vorsorge und Lebensunterhalt stemmen zu können.

„Wir fordern Bundesgesundheitsministerin Nina Warken auf, diesen ironischen Albtraum schnellstmöglich zu beenden. Gesundheit ist keine Ausschreibungsware. Wir fordern ein echtes Bekenntnis zur wirtschaftlich tragfähigen Patientenversorgung und zur inhabergeführten Apotheke vor Ort – bevor der letzte Apotheker das Licht ausgemacht hat!“, so die Vorsitzende abschließend.


Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet im vollständigen Bericht der FinanzKommission Gesundheit (FKG) die Blaupause für ein bürokratisches Experiment mit der Patientenversorgung. Zum vollständigen Bericht: Erster Bericht