Bünde, 25.03.2026 – Mit scharfer Kritik reagiert die Freie Apothekerschaft e.V. auf die jüngsten Aussagen der GKV-Spitzenverbands-Vizechefin Stefanie Stoff-Ahnis. Während die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) behaupten, die Apotheken bräuchten „in der Summe keine höhere Vergütung“, sondern lediglich eine Umverteilung, zerfällt die flächendeckende Versorgung vor Ort durch ein historisches Apothekensterben.
Daniela Hänel, Vorsitzende der Freien Apothekerschaft e. V. , findet für diese Haltung deutliche Worte und fordert Konsequenzen, die beim GKV-Spitzenverband selbst ansetzen sollten.
Solidarität ist keine Einbahnstraße
„Es ist an Zynismus kaum zu überbieten, wenn Vertreter eines Verwaltungsapparates, deren eigene Gehälter und Strukturen Jahr für Jahr steigen, den Leistungserbringern an der Basis die notwendige Anpassung an die Inflation verweigern“, so die Vorsitzende der Freien Apothekerschaft. „Wenn Frau Stoff-Ahnis fordert, dass die Versicherten und Arbeitgeber nicht mehr belastet werden dürfen, dann sollte sie mit bestem Vorbild vorangehen.“
Die Freie Apothekerschaft fordert daher eine „Gleichbehandlung im Geiste des Jahres 2004“:
1. Honorarrückschritt auf 2004: Wenn die Apotheken auf dem Vergütungsniveau von vor fast 20 Jahren verharren sollen, müssen dieselben Maßstäbe auch für die Vorstände des GKV-Spitzenverbandes und der aktuell 94 gesetzlichen Krankenkassen gelten. Eine Rückführung der Vorstandsgehälter auf das Niveau von 2004 (Inkrafttreten des GMG) wäre ein echtes Zeichen von Ausgabendisziplin.
2. Verzicht auf Prämien: In Zeiten, in denen Apotheken händeringend um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen, sind Bonuszahlungen und Prämien in den Teppichetagen der Krankenkassen nicht mehr vermittelbar. Die Freie Apothekerschaft fordert den sofortigen Stopp jeglicher Prämienzahlungen für Kassen-Vorstände.
3. Solidarsystem für alle – auch in der Altersvorsorge: Wer das Solidarsystem verwaltet, sollte auch Teil davon sein. Die Freie Apothekerschaft fordert, dass die Altersvorsorge aller Kassenvorstände konsequent auf das Solidarsystem umgestellt wird, anstatt sie durch exzellent dotierte, beitragszahlerfinanzierte Pensionsrückstellungen abzusichern.
Umverteilung löst das Strukturproblem nicht
Die Behauptung der GKV, eine bloße Umverteilung des bestehenden Honorars reiche aus, ist eine bewusste Täuschung der Öffentlichkeit. Seit 2004 ist der Festzuschlag pro rezeptpflichtigem Medikament nahezu unverändert, während die Kosten für Personal, Energie und Logistik explodiert sind. „Eine Umverteilung des Mangels heilt das System nicht – sie beschleunigt nur das Sterben der Apotheken in Deutschland“, warnt die Vorsitzende.
Die Freie Apothekerschaft fordert das Bundesgesundheitsministerium und die Krankenkassen auf, die Realität der Arzneimittelversorgung anzuerkennen, anstatt die Apotheken vor Ort als Sündenböcke für die finanzielle Schieflage der GKV zu missbrauchen.
„Wir sind bereit für den Dialog, aber nicht auf der Basis von Realitätsverweigerung. Wer die Apotheken kaputtspart, spart an der Gesundheit der Menschen“, so das Fazit des Vorstandes der Freien Apothekerschaft.