Bünde, den 11. September 2026 – Der Abfluss von Arzneimittelumsätzen ins EU-Ausland verursacht in Deutschland wirtschaftliche Verluste in erheblicher Größenordnung. Deutschen Apotheken fehlen dadurch jährlich bis zu 915,8 Millionen Euro. Zugleich entgehen Bund und Kommunen bis zu 410,9 Millionen Euro an Einkommen- und Gewerbesteuer. Für einzelne Apotheken kann der Umsatzabfluss einen Verlust von bis zu 55.200 Euro pro Jahr bedeuten – mit unmittelbaren Folgen für ihre wirtschaftliche Existenz und die flächendeckende Arzneimittelversorgung.
Die Freie Apothekerschaft e.V. hatte das Ludwigsburger Beratungsunternehmen Prof. Kaapke Projekte beauftragt, die finanziellen und ökonomischen Folgen des Umsatzabflusses an ausländische Arzneimittelversender wissenschaftlich zu untersuchen.
Der jährlich entstehende Verlust wird im Gutachten anhand zweier Rechenansätze bestimmt, die auf unterschiedlichen Datenquellen und Kennzahlen beruhen.
Abhängig vom betrachteten Szenario fehlen dem deutschen Apothekenmarkt jährlich zwischen 476,2 Millionen Euro und 915,8 Millionen Euro an wirtschaftlichem Ergebnis vor Steuern. Durch diesen Abfluss entgehen Bund und Kommunen zugleich bis zu 410,9 Millionen Euro an Einkommen- und Gewerbesteuer.
Für die einzelne Apotheke bedeutet dies einen durchschnittlichen jährlichen wirtschaftlichen Verlust von rund 28.700 bis 55.200 Euro. Mittel, die den Betrieben für Personal, Investitionen, Rücklagen und die Finanzierung ihrer laufenden Versorgungsstrukturen fehlen.
Damit verliert nicht nur der Apothekenmarkt vor Ort erhebliche wirtschaftliche Substanz. Auch dem deutschen Fiskus werden Jahr für Jahr Einnahmen entzogen, die angesichts angespannter öffentlicher Haushalte an anderer Stelle fehlen.
Daniela Hänel, 1. Vorsitzende der Freien Apothekerschaft, ordnet die Ergebnisse ein: „28.700 bis 55.200 Euro Verlust vor Steuern pro Apotheke und Jahr sind keine abstrakte Rechengröße. Dieses Geld fehlt ganz konkret für Mitarbeiter, Investitionen und die Finanzierung des laufenden Betriebs. Gerade bei kleineren Apotheken kann ein Betrag in dieser Größenordnung darüber entscheiden, ob ein Standort wirtschaftlich weiterbestehen kann oder schließen muss.“
Gleichzeitig warnt Hänel davor, steigende Umsätze größerer Apotheken als Zeichen wirtschaftlicher Stabilität zu interpretieren: „Hohe Umsätze auf dem Papier bedeuten nicht automatisch wirtschaftliche Stärke. Ein wachsender Anteil entfällt auf hochpreisige Arzneimittel mit gesetzlich begrenzter absoluter Vergütung, die für die ausländischen Arzneimittelversender wirtschaftlich unattraktiv sind. Gleichzeitig steigen Wareneinsatz, Personal- und Betriebskosten. Wenn dann ausgerechnet das wirtschaftlich wichtige Massengeschäft an ausländische Versender abwandert, fehlen den Apotheken vor Ort die Mittel, mit denen sie ihre Strukturen, ihre Versorgung und staatlich vorgegebenen Pflichtaufgaben finanzieren.“
Studienleiter Prof. Andreas Kaapke konstatiert: „Der Abfluss von Arzneimittelumsätzen an ausländische Arzneimittelversender ist kein ökonomisches Randphänomen. Er schwächt die wirtschaftliche Basis der Apotheken in Deutschland und zugleich die Einnahmeseite des Staates. Damit untergräbt er langfristig die Tragfähigkeit einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung.“
Über die Studie: Die gutachterliche Stellungnahme von Prof. Kaapke Projekte quantifiziert die ökonomischen und fiskalischen Folgen des Abflusses an EU-Arzneimittelversender auf Basis aktueller Marktdaten.
Das vollständige Gutachten steht hier zum Download bereit:
https://www.freieapothekerschaft.de/mp-files/2026-07-gutachten-steuer-u-umsatzverluste-durch-auslandsversand-pdf.pdf/