Studie der Freien Apothekerschaft belegt: Pharmazeutische Dienstleistungen für viele Apotheken ein Verlustgeschäft

Bünde, den 12. März 2026 – Die Einführung honorierter pharmazeutischer Dienstleistungen (pDL) sollte die Patientenversorgung verbessern und Apotheken neue Erlösquellen abseits des Arzneimittelverkaufs erschließen. Doch eine aktuelle empirische Untersuchung der Prof. Kaapke Projekte im Auftrag der Freien Apothekerschaft zeichnet ein ernüchterndes Bild: Für einen Großteil der Apotheken sind viele Dienstleistungen wirtschaftlich nicht tragfähig.

Hohe Akzeptanz, mangelnde Rentabilität
An der im IV. Quartal 2025 durchgeführten Studie beteiligten sich über 600 Apothekerinnen und Apotheker. Zwar bieten 78,1 % der befragten Betriebe mindestens eine pDL an – allen voran Einweisungen in die Inhalationstechnik (73,3 %) und die Medikationsberatung (67,7 %) – doch die ökonomische Bilanz ist oft negativ. Im Zentrum der Analyse stand ein neu entwickelter Rentabilitätsindikator. Dieser setzt die tatsächlich benötigte Arbeitszeit ins Verhältnis zum gesetzlich vorgesehenen Honorar.

Das Ergebnis:
• Ein Indikatorwert über 1,0 bedeutet, dass die Kosten die Einnahmen übersteigen.
• Bei der Bluthochdruck-Risikoerfassung arbeitet mehr als jede zweite Apotheke (über 50 %) defizitär.
• Nur bei etwa jeder dritten Apotheke wirft diese Leistung überhaupt einen Überschuss ab.

Strukturelle Hürden und „Angst“ vor Konflikten
Neben der mangelnden Wirtschaftlichkeit identifiziert die Studie weitere Barrieren, die den flächendeckenden Roll-out der pDL bremsen:
1. Ressourcenmangel: Akuter Personalnotstand und hoher Dokumentationsaufwand binden Kapazitäten.
2. Infrastruktur: Strenge räumliche Anforderungen sind oft schwer umsetzbar.
3. Interprofessionelle Spannungen: Insbesondere bei Impfungen (nur von 14–19 % angeboten) scheuen viele Apotheken die Konfrontation und mögliche Kompetenzstreitigkeiten mit der Ärzteschaft.

Forderung an die Politik: Honorierung statt Zweckentfremdung
„Die Studie zeigt deutlich: Das Potenzial und die Erfahrungswerte in den Apotheken sind da, aber das Honorar deckt oft nicht einmal die Selbstkosten“, so die Freie Apothekerschaft.

Vor dem Hintergrund der geplanten Apothekenreform und der Bestrebungen des Bundesgesundheitsministeriums, nicht abgerufene pDL-Mittel für die allgemeine Honorierung umzuwidmen, sendet die Studie ein klares Signal: Eine Umwidmung würde die strukturelle Etablierung dieser wichtigen Leistungen gefährden. Stattdessen stützen die Daten die Forderung des Deutschen Apothekerverbandes (DAV) nach einer Anpassung der Honorare auf ein auskömmliches Niveau.

„Nur wenn eine Dienstleistung betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, kann sie dauerhaft und flächendeckend für die Patienten angeboten werden. Hier ist die Politik in der Pflicht nachzubessern“, fordert die Freie Apothekerschaft.

Über die Studie:
Die empirische Untersuchung wurde im IV. Quartal 2025 durch Prof. Kaapke Projekte durchgeführt. Befragt wurden 634 Apothekeninhaberinnen und -inhaber zu Akzeptanz, Barrieren und Wirtschaftlichkeit der Pharmazeutischen Dienstleistungen.

Download: 2026-03-02 pDL Gutachterliche Stellungnahme (PDF)